Blackout?

Blackout?

Geschrieben am 25. Oktober 2017

Dass der Strom ausfällt, passiert selten und wenn, dann ist das Problem meist rasch behoben. Was aber passiert, wenn der Strom in einer Region oder einem Land tatsächlich länger ausfällt? Wie lange dauert es, bis Chaos ausbricht? Und welche Bereiche sind besonders betroffen? Diesen Fragen ging vergangene Woche ein Gremium mit dem sperrigen Namen Landesenergielenkungsbeirat unter dem Vorsitz von Landeshauptmann Stellvertreter Michael Strugl nach. Als Experte referierte Maik Poetzsch. Die oberösterreichischen Nachrichten sprachen mit dem Co-Autor eines umfassenden Berichts, den das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag für die Regierung in Berlin verfasst hat. Die Szenarien, die Poetzsch aufzeigt sind alles andere als ermutigend.

Das Chaos kommt schneller, als die meisten befürchten. Wie kommt es zu einem Blackout? In einem Roman aus dem Jahr 2012 sind es Terroranschläge, die das Stromnetz kollabieren lassen. Es könnten aber auch Naturkatastrophen größeren Ausmaßes sein, die unser gewohntes System stören.

Schäden gleich zu Beginn hoch

„Am besten kann man in den ersten beiden Stunden reagieren. Aber in dieser Zeit ist den wenigsten die Tragweite des Stromausfalls gewusst. Gleichzeitig sind auch die Schäden zu Beginn hoch“, sagt Poetzsch. Zuerst herrsche Verkehrschaos, die Kommunikationsnetze (Computer, Festnetz und Fernseher) fallen fast sofort aus. Mit dem Handy kann man noch telefonieren. Weil das dann aber alle machen, geht entsprechend schnell dann auch hier nichts mehr. Die Funkmasten haben Batterie Speicher für 2-8 Stunden.

Am besten sind Krankenhäuser gewappnet. Die Notstromaggregate können ein bis zwei Tage ohne externe Stromzufuhr weiter arbeiten. Arztpraxen und Apotheken, aber auch Altenheime schließen dagegen schnell und müssen zum Teil auch geräumt werden. Die Kühlung und Lagerung von Medikamenten wir schnell zum Problem. Da es viele Hausbrunnen gibt, ist die Wasserversorgung noch halbwegs aufrecht. Ausnahme sind hohe Häuser und eventuell höher gelegene Gemeinden, weil diese auf Strompumpen angewiesen sind. Abwasserkanäle verstopfen und laufen über. Der Gestank in Straßen und Wohnungen wird penetrant.

„Es kann bald zu Problemen bei der Abwasserentsorgung kommen. Da auch Tankstellen ausfallen, können auch die Pumpwagen nicht einspringen. Kommunen und Helfer sind rasch überfordert“, sagt Poetzsch. Schon in den ersten 24 Stunden zeige sich ein hohes Maß an Lähmung. Die Abhängigkeit vom Strom zeige sich dann auch dadurch, dass die Bargeld Versorgung unterbrochen ist, von Überweisungen ganz zu schweigen. „Die privaten Vorräte reichen in der Regel 2-5 Tage. Es kommt zu einem Massensterben in der Tierproduktion, Seuchengefahr mit eingeschlossen“, sagt Poetzsch.

Dabei beruhen die Szenarien des deutschen Büros nur auf dem Umstand, dass der Strom ausfällt. Das Auslöserereignis und seine Folgen sind noch nicht kalkuliert. „Wenn es Anschläge gibt oder Naturkatastrophen, gibt es allein schon deshalb weitere Folgen“, erklärt Poetzsch.

Wie kann man vorsorgen?

Wie kann sich eine Gesellschaft vorbereiten? Entweder in dem sie die Netze möglichst sicher macht und die Vorbereitungen für den Ernstfall verstärkt. „Beides wäre zu teuer“, sagt Poetzsch. Österreich will vor allem die Netze sichern. Die Versorger spielen regelmäßig die Szenarien durch. Für Betriebe gibt es Checklisten für den Ernstfall. Möglicherweise können private Photovoltaikanlagen, die im Inselbetrieb funktionieren, eine Versorgungsmaßnahme sein. "Aber dies sei auch eine Kostenfrage", sagt Poetzsch.